8 plus 9 ergibt 17

Georgette Tsinguirides verabschiedet sich vom Stuttgarter Ballett

Die Choreologin und Ballettmeisterin des Stuttgarter Balletts, Georgette Tsinguirides, die vor kurzem ihren 89. Geburtstag feierte, wird zum Ende der Spielzeit 2016/17 ihre Tätigkeit beim Stuttgarter Ballett beenden.

Die Choreologin und Ballettmeisterin des Stuttgarter Balletts, Georgette Tsinguirides, die vor kurzem ihren 89. Geburtstag feierte, wird zum Ende der Spielzeit 2016/17 ihre Tätigkeit beim Stuttgarter Ballett beenden. Nach über 70 Dienstjahren wird sie sich von der Compagnie verabschieden.

„89 Jahre ‚jung‘: 8 plus 9 ergibt 17 – und mit 17 Jahren wurde ich als Elevin engagiert. Der Kreis hat sich geschlossen!“, so Tsinguirides. „Es waren 70 Jahre Aufbau, harte Arbeit, Entbehrungen, Tiefschläge und Höhenflüge, aber immer voll tiefer Liebe und Wertschätzung für meinen Beruf – oder besser gesagt: meine Berufung – und Dankbarkeit für ein Leben in Erfüllung. Die Tänzer der Compagnie werden immer mit mir und bei mir sein“, sagt Tsinguirides, die viele Generationen von Tänzern beim Stuttgarter Ballett begleitet hat und bis zuletzt mit ihnen im Ballettsaal stand. Ihre beispiellose, lange Karriere hat sie der Disziplin zu verdanken, die jeder Tänzer benötigt: „Einmal Tänzer, immer Tänzer!“

Ballettintendant Reid Anderson, der mit Georgette Tsinguirides seit 1969 zusammenarbeitet, meint: „Georgette ist das lebendige Gedächtnis der Cranko-Ära. Sie ist eine Ikone der Ballettwelt und die Ur-Mutter unserer Compagnie. Ihr Wissen, ihre Persönlichkeit, ihr Charakter, ihre Liebe zum Tanz und ihre überwältigende Präsenz werden für immer bei uns sein. Sie ist ‚simply unforgettable‘!“

Georgette Tsinguirides erhielt 1945 ihr erstes Engagement als Elevin am Ballett der Württembergischen Staatstheater Stuttgart. Unter der Direktion von Nicolas Beriozoff wurde sie 1957 Solistin. Noch bevor John Cranko 1961 die Leitung der Compagnie übernahm, tanzte sie bereits 1960 in seinem Ballett Der Pagodenprinz, später u.a. in seinen Balletten The Lady and the Fool und in Romeo und Julia. 1965 entsandte Cranko sie nach London, wo sie am Benesh Institute Choreologie studierte. Nachdem sie das Studium der Benesh Movement Notation 1966 mit einem Diplom abgeschlossen hatte, begann sie damit, alle Werke John Crankos in dieser Tanzschrift aufzuzeichnen, ebenso für das Stuttgarter Ballett kreierte Choreographien von Kenneth MacMillan, Glen Tetley, John Neumeier und Marcia Haydée.

Ihre Notationen und ihre profunde Kenntnis der Choreographien Crankos sind von unschätzbarem Wert für die bis heute originalgetreue Aufführung seiner Stücke. Als Choreologin und Ballettmeisterin hat Georgette Tsinguirides das Werk John Crankos mittlerweile an mehrere Tänzergenerationen weitervermittelt: Nicht allein beim Stuttgarter Ballett, sondern ebenso bei den weltweit renommiertesten Ballett-Compagnien.

erstellt am 07.03.2017 von Pressetext